Guten Morgen nach Deutschland, Sambia und in die Welt,
ich bin mal wieder verreist am Wochenende und habe Unterschlupf bei Susanne und Regina in Ibadan gefunden. Also heisst es mal wieder Grossstadtluft schnuppern. Eigentlich muss ich einfach nur ganz viele Dinge besorgen und das macht man einfach am besten in der Stadt, als bei uns auf dem Land. Groessere Auswahl zu guenstigeren Preisen inklusive andere Oyinbos treffen, da lohnen sich die Strapazen. Denn gestern stand ich mit dem ueberfuellten Kleinbus mitten in der Nachmittagssonne im Stau und wir mussten Landstrasse fahren. Das heisst ueber Stock und Stein, ueber enge und ueberfuellte Marktplaetze von irgendwelchen Kuhkaeffern, einfach mitten durchs Nichts. Aber siehe dar mit nur wenig Verspaetung, nein das Wort gibt es hier nicht, naja wir sind auf jeden Fall gut angekommen:)
Heute muss unbedingt Stoff fuer Weihnachten gekauft werden. Denn dort tragen Muyiwa, Alissa und ich das selbe Muster. Extra fuer das grosse Fest laesst sich jeder der irgendwie kann ein neues Gewand schneidern und die Naeherinnen sind jetzt schon total ausgebucht. Wir sind da echt schon extrem spaet dran... Hoffen wir mal dass es noch fertig wird bis zum 24.12.
Ja und dann werde ich mich noch fuer die 1/3 ueberstandene Nigeriazeit mit einem Kaesesandwich belohnen! Das soll es hier auf jeden Fall geben, die anderen haben es schon mal ausgetestet. Es ist zwar etwas teurer als das nigerianische Essen, aber einmal goennen darf man sich das schon... Freude! Freude!
Jetzt noch eine traurige Nachricht: Amanda, das Huhn ist tot. Sie hat auf einmal aufgehoert Eier zu legen und Peter wollte sie ja schon von Anfang an Essen. Dann meinte ich nur, dass wenn sie schon meinen das arme Tier mit unserem stumpfen Kuechenmesser bei uns im Hinterhof schlachten zu muessen, dann bitte wenn ich nicht da bin. Selbst Alissa moechte das Huhn nicht essen, das einen Namen tragt. Also bitte schliesst Amanda mit in eure Gebete ein...
Diese Woche habe ich einen weiteren Kids Club besucht, den ich allgemein neu reformieren soll, aber darauf will ich gar nicht hinaus. Sondern auf ein paar Kinder, die noch die eine Weisse gesehen haben. Mit offenem Mund standen sie vor mir und strichen mir ueber die Arme, machten den ultimativen Haendevergleichstest und wuschelten in meinen Haaren. Das ist aber eine schoene Haarverlaengerung meinten sie. Denn sie glaubten einfach nicht, dass Haare so aussehen koennen:) Als ich ihnen dann erzaehlt habe, dass ich aus Deutschland komme fragten sie nur: aus einem anderen Land als Nigeria? Sie konnten es einfach nicht fassen... Echt interessant, dass es noch Menschen gibt, die keine anderen Hautfarben ausser die eigene kennen.
Dazu wiederum dann eine andere Geschichte dieser Woche. Ich war bei einem Dr. in Ibadan zu einem Meeting eingeladen. Also fuhr das halbe Buero in einem Kleinbus morgens um 6 ab. Nach 2stuendigem blabla fragte er ploetzlich wo ich denn genau aus Deutschland her bin. Als ich dann meinte Stuttgart, sollte ich ihn was auf deutsch fragen. Ich fing an ganz langsam und deutlich zu fragen: Wiiee laannge haabeen Siiee iin Deutschland geleebt? Seine Antwort war nur: Och ich weiss gar nicht genau, so um die zwanzig Jahre. Blamiert! Er hat dort Medizin studiert, in Heidelberg geforscht und spricht fast perfekt Deutsch:)
Seit ein paar Tagen hat ein wahnsinniger Wetterumschwung stattgefunden. Es regnet nicht mehr, es ist sehr trocken, windig, heiss am Tag und sehr kuehl in der Nacht. Das kommt aus der Wuestenregion und geht wohl mindestens bis Ende Dezember. Die Nigerianer muessen sich dann mit Oel einreiben, damit ihre Haut nich anfaengt zu reissen und ganz weiss zu werden. Ich dagegen bin ja die rauhen Winter der Alb gewohnt, also reicht bei einmal taeglich Bodylotion:) In der Nacht hingegen ist es wahnsinnig kalt. Ich kann euch leider keine Temeperaturen nennen, aber so kalte Fuesse hatte ich schon lange nicht mehr! Ich brauch jetzt sogar 2 Decken... Aber es ist auch mal wieder schoen etwas zu frieren und nicht immer nur zu schwitzen;)
Meine Gastmami faehrt naechstes Wochenende fuer eine Woche nach Deutschland um an einer internationalen Sitzung fuer Freiwillige teilzunehmen. Jetzt ist sie schon sehr aufgeregt und hat Angst zu erfrieren:) Denn Wintersachen hat hier keiner...
Sie wird dann sogar auf den Weihnachtsmarkt gehen, eine Stadtfuehrung durch Bonn machen und ein bisschen Deutschland kennen lernen. Bin ganz neidisch... Gegen einen kleinen Weihnachtsbesuch haette ich auch nichts einzuwenden:) Obwohl hier von Weihnachtsstimmung noch gar nichts zu spueren ist. Wie denn auch bei der Hochsommerhitze? Aber wird auch interessant werden, mal ein ganz anderes Weihnachten zu erleben... (leider ohne euch!) Wer kommen moechte ist jeder Zeit herzlichst eingeladen! ;)
So, Gruesse,
die braungebrannte Tanja