Samstag, 21. November 2009

Amanda, das Huhn ist tot!

Guten Morgen nach Deutschland, Sambia und in die Welt,
ich bin mal wieder verreist am Wochenende und habe Unterschlupf bei Susanne und Regina in Ibadan gefunden. Also heisst es mal wieder Grossstadtluft schnuppern. Eigentlich muss ich einfach nur ganz viele Dinge besorgen und das macht man einfach am besten in der Stadt, als bei uns auf dem Land. Groessere Auswahl zu guenstigeren Preisen inklusive andere Oyinbos treffen, da lohnen sich die Strapazen. Denn gestern stand ich mit dem ueberfuellten Kleinbus mitten in der Nachmittagssonne im Stau und wir mussten Landstrasse fahren. Das heisst ueber Stock und Stein, ueber enge und ueberfuellte Marktplaetze von irgendwelchen Kuhkaeffern, einfach mitten durchs Nichts. Aber siehe dar mit nur wenig Verspaetung, nein das Wort gibt es hier nicht, naja wir sind auf jeden Fall gut angekommen:)
Heute muss unbedingt Stoff fuer Weihnachten gekauft werden. Denn dort tragen Muyiwa, Alissa und ich das selbe Muster. Extra fuer das grosse Fest laesst sich jeder der irgendwie kann ein neues Gewand schneidern und die Naeherinnen sind jetzt schon total ausgebucht. Wir sind da echt schon extrem spaet dran... Hoffen wir mal dass es noch fertig wird bis zum 24.12.
Ja und dann werde ich mich noch fuer die 1/3 ueberstandene Nigeriazeit mit einem Kaesesandwich belohnen! Das soll es hier auf jeden Fall geben, die anderen haben es schon mal ausgetestet. Es ist zwar etwas teurer als das nigerianische Essen, aber einmal goennen darf man sich das schon... Freude! Freude!
Jetzt noch eine traurige Nachricht: Amanda, das Huhn ist tot. Sie hat auf einmal aufgehoert Eier zu legen und Peter wollte sie ja schon von Anfang an Essen. Dann meinte ich nur, dass wenn sie schon meinen das arme Tier mit unserem stumpfen Kuechenmesser bei uns im Hinterhof schlachten zu muessen, dann bitte wenn ich nicht da bin. Selbst Alissa moechte das Huhn nicht essen, das einen Namen tragt. Also bitte schliesst Amanda mit in eure Gebete ein...
Diese Woche habe ich einen weiteren Kids Club besucht, den ich allgemein neu reformieren soll, aber darauf will ich gar nicht hinaus. Sondern auf ein paar Kinder, die noch die eine Weisse gesehen haben. Mit offenem Mund standen sie vor mir und strichen mir ueber die Arme, machten den ultimativen Haendevergleichstest und wuschelten in meinen Haaren. Das ist aber eine schoene Haarverlaengerung meinten sie. Denn sie glaubten einfach nicht, dass Haare so aussehen koennen:) Als ich ihnen dann erzaehlt habe, dass ich aus Deutschland komme fragten sie nur: aus einem anderen Land als Nigeria? Sie konnten es einfach nicht fassen... Echt interessant, dass es noch Menschen gibt, die keine anderen Hautfarben ausser die eigene kennen.
Dazu wiederum dann eine andere Geschichte dieser Woche. Ich war bei einem Dr. in Ibadan zu einem Meeting eingeladen. Also fuhr das halbe Buero in einem Kleinbus morgens um 6 ab. Nach 2stuendigem blabla fragte er ploetzlich wo ich denn genau aus Deutschland her bin. Als ich dann meinte Stuttgart, sollte ich ihn was auf deutsch fragen. Ich fing an ganz langsam und deutlich zu fragen: Wiiee laannge haabeen Siiee iin Deutschland geleebt? Seine Antwort war nur: Och ich weiss gar nicht genau, so um die zwanzig Jahre. Blamiert! Er hat dort Medizin studiert, in Heidelberg geforscht und spricht fast perfekt Deutsch:)
Seit ein paar Tagen hat ein wahnsinniger Wetterumschwung stattgefunden. Es regnet nicht mehr, es ist sehr trocken, windig, heiss am Tag und sehr kuehl in der Nacht. Das kommt aus der Wuestenregion und geht wohl mindestens bis Ende Dezember. Die Nigerianer muessen sich dann mit Oel einreiben, damit ihre Haut nich anfaengt zu reissen und ganz weiss zu werden. Ich dagegen bin ja die rauhen Winter der Alb gewohnt, also reicht bei einmal taeglich Bodylotion:) In der Nacht hingegen ist es wahnsinnig kalt. Ich kann euch leider keine Temeperaturen nennen, aber so kalte Fuesse hatte ich schon lange nicht mehr! Ich brauch jetzt sogar 2 Decken... Aber es ist auch mal wieder schoen etwas zu frieren und nicht immer nur zu schwitzen;)
Meine Gastmami faehrt naechstes Wochenende fuer eine Woche nach Deutschland um an einer internationalen Sitzung fuer Freiwillige teilzunehmen. Jetzt ist sie schon sehr aufgeregt und hat Angst zu erfrieren:) Denn Wintersachen hat hier keiner...
Sie wird dann sogar auf den Weihnachtsmarkt gehen, eine Stadtfuehrung durch Bonn machen und ein bisschen Deutschland kennen lernen. Bin ganz neidisch... Gegen einen kleinen Weihnachtsbesuch haette ich auch nichts einzuwenden:) Obwohl hier von Weihnachtsstimmung noch gar nichts zu spueren ist. Wie denn auch bei der Hochsommerhitze? Aber wird auch interessant werden, mal ein ganz anderes Weihnachten zu erleben... (leider ohne euch!) Wer kommen moechte ist jeder Zeit herzlichst eingeladen! ;)
So, Gruesse,
die braungebrannte Tanja

Dienstag, 17. November 2009

Besuch aus Ibadan

Ekale ihr Lieben,

es gibt mal wieder einiges zu berichten, da aber das Internet so lahmi und die Tastatur echt bescheiden ist beschraenke ich mich einfach auf ein paar Geschichtchen.
Ich habe jetzt ein Haustier: Amanda das Huhn. Wir Freiwilligen haben sie als Geschenk bekommen und liesen Amanda selbst entscheiden, ob sie weiter leben moechte oder doch lieber im Kochtopf schmoren will. Also raus aus der Vorratskammer auf den Hof. Wenn sie innerhalb eines Tages ein Ei legt bleibt sie uns erhalten wenn nicht kommt das grosse, stumpfe Messer zum Einsatz. Und siehe da: ein Ei! Also hat das Schicksal entschieden dass ich eine persoenliche Fruehstueckseimachmaschine bekomme:)

Am Wochenende war dann Besuch aus Ibadan bei uns auf dem Land. 5 weitere Freiwillige mussten bei uns im Zimmer untergebracht werden. Vier im Ehebett und rechts und links nochmal, bis das Zimmer zum Anschlag voll war... Aber ging gut, man ist ja mittlerweile an alles gwohnt. Wir kochten wie die Weltmeister, vom indischen Curry mit Reis ueber Maccaroni mit Tomatensosse, Griesbrei mit frischen Fruechten, bis hin zum Apfel- und Schokokuchen... Wir machten viele Ausfluege, zum Beispiel nach Osogbo in einen schoenen Wald mit Yorubafiguren aus Stein (die Ruhe dort war ja fast nicht auszuhalten. Kein gehupe, keine Autos, nur Vogelgesang und Natur. Man hat den Bambus wirklich wachsen hoeren koennen), besuchten unseren Markt oder tauschten uns einfach mal wieder untereinander aus.
Das eine oder andere mal wurden wir auch patschenass als wir es nicht mehr rechtzeitig nach Hause schafften. Die Strasse wurde zum Fluss und wir wateten bis auf wadenhoehe im Schlamm und in den Fluten. Dazu noch war es dunkel, steinig und auf einmal so wahnsinnig kalt. wir waren so nass, so nass kann man im Schwimmbad nicht werden und dann nur ein kleines Zimmer fuer so viel Leute mit so dreckigen klamotten... Einfach ein kunterbuntes und witziges Wochenende!

Dann habe ich mich die Woche schon mit einem Amerikaner unterhalten, der seit 2 Jahren in Nigeria wohnt und Gelder der USA (500 000 000 Dollar im Jahr) an Aidsprojekte in Nigeria verteilt. Er ist Sozialpaedagoge und fuer den kompletten HIV/AIDS-Bereich im Land zustaendig. Was er erzaehlt und bereits erfahren hat war wahnsinnig spannend. Und selbst er meinte, dass er schon in einigen Laendern Afrikas gelebt hat, aber Nigeria sei da doch anders als das restliche Afrika. Er ist sich sicher wenn ich es hier schaffe, dann schaffe ich es ueberall auf der Welt und bekomme einen starken Charakter. Aber ich muss ehrlich sagen, so schlimm finde ich nigeria gar nicht:) Wuerde euch echt wahnsinnig gerne mein Leben hier zeigen wenn es nur fuer einen Tag waere. Moni du wuerdest die Krise bekommen;) Oder du waerst so ueberwaeltigt, dass du an Krise gar nicht denken koenntest...

Jetzt muss ich mich aber auf den Heimweg machen, denn sonst komm ich nach Hause wenn es dunkel wird und das wollen wir ja auch nicht. Meld mich mal wieder sobald ich die Moeglichkeit habe. Ach ja und Roecke sind das einzig wahre, was man hier anziehen kann... hab mich mittlerweile schon daran gewoehnt. (Hab ich das gerade geschrieben...?)

Liebe Gruesse,
die Tanja


Freitag, 13. November 2009

Ich lebe noch:)

Hallo ihr lieben vor-Kaelte-bibbernde Leserinnen und Leser,

also ich kann euch beruhigen: bin wieder top fit, mir geht es gut, ich lebe. Soweit das. Gilt vor allem fuer die, die meinen ich muesse schnell das Land verlassen, am besten in eine Tropenklinik fliegen und am Tropf haengen... Aber mal von vorne. Ich hatte das Pech in den letzten 3 wochen 2 mal Malaria zu bekommen. Nicht ganz so schoen, aber auch nicht so schlimm, wie wir uns das vorstellen. Hatte auch wahnsinnig Angst die uns so unbekannte Krankheit zu bekommen, aber wer mich kennt weiss, dass ich alles mitnehme, was ich nur griegen kann:) Was waere auch ein halbes Jahr Afrika ohne Malaria? Wenn schon denn schon, wer weiss wann ich das naechste mal her komme? Angefangen hat alles mit einem etwas schwummrigen Gefuehl im vordernen Kopfbereich. Man kann das beschreiben mit Fischen, die wie wild im Aquarium schwimmen. Ich sollte Schwangere Testen und bekam dann so den Zitterer dass ich den Finger beim Zustechen gar nicht mehr getroffen habe. Dachte mir dann evtl eine kleine Pause einzulegen. Also setzte ich mich vor eine Kirche, lies mich von den Nachbarn beaeugen und von den Ziegen bemeckern. als es nach einer Stunde nicht aufgehoert hat wurde ich dann wegen des Verdachts auf Malaria ins Krankenhaus gebracht. Natuerlich in das beste der Stadt. Wir haben genau 2 hier. Eines, das vom staat finanziert wird und absolut katastrophal ist und dort wirklich nur die Leute hin gehen, die ueberhaupt keinen Naira in der Tasche haben und schon fast am Sterben sind. Es gibt EINEN Arzt und nur wenige Krankenschwestern fuer eine Einwohnerzahl wie Mannheim. Und das andere kostet Geld. Erst bezahlen, dann die Ware. Egal ob Notfall oder nicht. Und das ist gar nicht so einfach sich dort zurecht zu finden. Erstmal war es stockduster, da NEPA, der einzige nigerianische Stromanbieter, mal wieder nicht funktionierte und wir im Dunkeln durch die Gebaeude irrten. Hier der Arzt, da das Labor und dort die Zahlstelle. Eigentlich koennte ich bei allem was ich schreibe immer den Satz hinzufuegen: ihr koennt es euch nicht vorstellen... Und so ist das auch mit dem Krankenhaus. Der Doc sitzt da in einem kleinen Raeumchen mit der Taschenlampe, versucht professionell zu wirken und braucht geschlagende 20 Minuten um den Puls und Blutdruck zu messen. Mit einem Zettelwirrwarr ging es dann in eine Art Labor, wo mir Blut abgenommen wurde. Die Nadel war immerhin neu und steril, der Rest sah eher aus wie eine Schreinerwerkstatt. Nun hiess es draussen im halbdunkeln eine stunde lang warten auf das Ergebnis. Also wenn ich bis dahin noch keine Malaria gehabt haette, aber spaetestens dann, so viel Moskitos wie hier umhergeflogen sind. Das Ergebnis war dann eben Malaria und ich musste damit zurueck zum Arzt, bekam 7 verschiedene Tabletten, die ich in Unmengen zu mir nehmen sollte. Dank meiner persoenlichen fachmaennischen Beratung aus der Ludwigstrasse, konnte ich diese dann auch beruhigt schlucken. Und die Drogen waren gut! Ich hab 4 Tage lang durchgeschlafen:) Und war dann aber auch wieder fit. Leider hielt der Zustand nicht lange an, denn kaum 2 Wochen spaeter fingen die Fische wieder an Wettschwimmen zu veranstalten und ich ahnte schon Boeses... Mittlerweile bin ich mit dem Klinikpersonal per du und sie meinten, dass sie mich doch bitte nicht mehr hier sehen wollen, denn es hat sich bestaetigt: Malaria again! Die Aerzte meinten nur, this is Nigeria for you! Aber auch die zweite Ladung Parasiten habe ich mittlerweile gut bekaempft und ich bin wieder ganz die alte:) Uebrigens Toiletten gibt es im Krankenhaus nicht wirklich. Am Besten mann muss gar nicht oder man begibt sich auf die suche nach einem ruhigen Oertchen. Als Weisse ist das aber leichter gesagt als getan. Dann wird halt kurzerhand ein kleiner Vorhang im Gang hochgehalten und du musst in eine Plastikschuessel pinkeln, die dann am Eingang wieder entsorgt wird. This is Nigeria for me:)
Ich wurde waehrend der Zeit sehr lieb umsorgt und gepflegt. Bekam Anrufe, Besuche und Geschenke, von meinen Kollegen, meiner Gastfamilie, den anderen Freiwilligen aus Ibadan und natuerlich auch aus Deutschland! Hier kann man sich echt auf alle verlassen, wenn es einem nicht so gut geht, auch wenn das sonst nicht so der Fall ist:) Zumindest was Ordnung und Puenktlichkeit angeht...

Ansonsten passiert hier eigentlich ziemlich viel und ich erlebe hier wirklich alles, was man nur so erleben kann. Es ist eine sehr interessante und spannende Zeit. Ich lerne viel, mein Englisch und Yoruba wird auch von Tag zu Tag besser, das Essen ist super (vor allem die vielen Fruechte), die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit und ich kann mich im Moment einfach nicht beklagen!
Da es so heiss ist hab ich jetzt was ganz verruecktes gemacht... Ich habe mir 2 Roecke und ein Kleid schneidern lassen... Mehr sage ich dazu nicht, ausser dass mich wohl keiner von euch jemals zuvor in sowas gesehen hat:) aber bevor ich hier eingeh, da wir im Schnitt 38 grad haben...

Aber ansonsten hat sich hier auch langsam der Alltag eingeschlichen und ich geh von frueh bis spaet zum Arbeiten, dann Essen, Haushalt und schon ist der Tag um. Auch wenn es sowas wie Alltag hier nicht wirklich gibt, denn man wird staendig ueberrascht. Erst gestern schickte man mich zu einer Awardverleihung an eine Schule. Ich dachte ja ich muesse nur das sitzen und mir das aus der Ferne angucken, aber dem war dann nicht so, denn die Rund 800 Gaeste erwarteten eine Rede. Gut wenn man darauf vorbereitet ist... nicht gut wenn einem das leider nicht gesagt wurde und du eben mal was aus dem Aermel schuetteln sollst, wie wichtig doch Bildung ist, blablabla...
auch wenn du zum Beispiel denkst du geht zum Testen von Schwangeren und Muettern und das wars, kann es ganz anders kommen. Ploetzlich kann ein Fotograf auftauchen und die Muetter werden zu rabiaten Kratzbuersten, die als erstes wollen, dass die Weisse mit ihrem Kind auf dem Arm ein Bild macht. Und dann reissen sie die Kleinen aus dem Arm und halten einem das neue eigene hin. Meine Aufgabe besteht dann darin, einfach nur zu laecheln:)

Mit laechelndem Grusse an alle verabschiede ich mich hier mit von euch, da meine begrenzte Internetzeit gleich abgelaufen ist. Ich wuensche euch ein schoenes Wochenende, trinkt einen Gluehwein fuer mich mit und geniesst die Plaetzchenzeit... Hab hier uebrigens auch schon ein bier getrunken und nachdem hats mir aber gereicht:)

Gruessle, Odabo,
die Tanja aus Ilesa