Liebe Leutchen,
ja ich glaube es auch kaum, aber wir haben tatsaechlich ein Internetcafe gefunden, in dem man auch ins Internet kann und das eineigermassen funktioniert. Auch wenn man kraeftig in die Tasten hauen muss und alles etwas laenger dauert als ich das sonst gewohnt bin, aber da will ich mal nicht meckern. Hier lernt man echt mit Kleinigkeiten zufrieden zu sein:)
Ansonsten geht es mir sehr gut und es passiert taeglich so viel, dass die Woche umging wie nix. Ich bin umgezogen in das Haus meiner Chefin und wohne dort jetzt mit Peter , 58, Schreiner im Ruhestand, Alissa, 19, Abiturientin und Halbinderin, Muyiwa unserem Hausmann, der sehr lecker nach unseren Wuenschen kocht, Esther einer pubertierenden Fuenfzehnjaehrigen und Semilore einem 6jaehrigen Bub, der seine Eltern verloren hat und deshalb uebergangsweise auch hier untergebracht ist. Es ist einfach angenehmer sich am Abend noch mit Gleichgesinnten unterhalten zu koennen oder auch gemeinsam zu kochen. Mein Speiseplan ist um einiges Abwechslungsreicher geworden und Fisch und Gemuese wird jetzt extra wegen mir getrennt gekocht;)
Alissa und ich teilen uns ein Zimmer mit Doppelbett, zwei Schraenken und einem angrenzenden Badezimmer mit Dusche und WC (inklusive fliessend Wasser!!). Man kann das zwar nicht mit europaeischem Standart vergleichen, aber dehalb bin ich ja auch in Afrika... Da wir uns sehr gut verstehen geht das auch mit dem Zimmer teilen und wenn Peter mitte Dezember das Land verlaesst bekommt jeder von uns seine eigenen vier Waende, denn fuer die kompletten 6 Monate waere das etwas viel verlangt und wir wuerden uns bestimmt auf den Geist gehen. Es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung die Familie zu wechseln und eine Art Freiwilligen-WG zu gruenden.
Ja dann ein paar kleine Dinge zu meiner Arbeit hier, da weiss ich gar nicht mehr wo ich anfangen soll... Morgens zum Beispiel fahre ich zu verschiedenen "Kliniken" zwar ohne Aerzte aber mit Krankenschwestern ausgestattet, um dort Schwangere oder frisch gebackene Muetter auf HIV zu testen. Man muss sich einen offenen Raum vorstellen, in dem ein paar Holzbaenke stehen und sich die Frauen um einen scharen und getestet werden wollen. Denn die Behandlung ist kostenfrei und wird durch einen Wisch bestaetigt. Das heisst ich klaere sie erst mal auf, wie man sich denn den Virus einfangen kann und was man beruhigt auch mit Aidskranken tun kann ohne angesteckt zu werden. Dann piekse ich eine Patientin nach der anderen, fuehre den Test durch und fuelle Formulare zur Dokumentation aus. Manchmal gestaltet sich dies etwas schwierig, aber mit Haenden und Fuessen bekommt man das schon hin. Schwierig ist nur es den meist jungen Frauen mitzuteilen, wenn sie HIVpositiv sind. Aber sie werden auf jeden Fall weiter von uns betreut, mit Medikamenten versorgt und in Selbsthilfegruppen ueberwiesen um sich auszutauschen. Es ist hart so viele einzelne Schicksale mitzubekommen, die meist so kompliziert und schlimm sind, dass sie einen richtig mitnehmen. Zum Beispiel hat uns eine Frau um Hilfe gebeten, die ihren Mann verloren hat, selbst an Epilepsie leidet und drei kleine Kinder zu Hause hat, von dem eines ein grosses Geschwuer am Ohr hat das eigentlich operiert werden muesste. Doch wie immer fehlt das Geld dazu. Die Kinder muessen arbeiten, anstatt in die Schule zu gehen, da die Familie sonst hungern muss und das kann man nicht so einfach wegstecken. Als Hilfe koennen wir jetzt anbieten, das Kind mit in die naechste Stadt mit Krankenhaus zu nehmen um es dort untersuchen zu lassen und der Familie Mikrokredite gewaehren, damit die Kleinen zur Schule gehen koennen und nicht fuer den Lebensunterhalt sorgen muessen. Immerhin ein Lichtblick.
Meine Zwillinge sind leider immer noch im Busch, da sich der Schwager dagegen wehrt die Kinder untersuchen und richtig versorgen zu lassen. Keiner will die Kleinen, und wenn sie nicht behandelt werden, werden sie nicht aelter als hoechstens 2 Jahre. Aber wir werden naechste Woche nochmal nachhaken und hoffen, dass wir etwas bewirken koennen. Werd euch auf jeden Fall auf dem laufenden halten.
Aber jetzt genug mit den traurigen Geschichten, es gibt auch noch anderes zu erzaehlen...
Zum Beispiel Zwillinge heissen hier immer Tayiwo und Candy. Und wenn eine Familie 3 Zwillingspaerchen hat dann gibt es eben drei Tayiwos und drei Candys. Egal ob maennlich oder weiblich. Und Twins sind hier echt keine Seltenheit. Anscheinend wegen des Yams, der Art Kartoffel. Deshalb haetten die Frauen immer 2 Eier zum befruchten. Komische Geschichte, aber irgendwas muss ja dran sein, bei den vielen Zwillingspaerchen hier:)
Ich habe uebrigens jetzt einen sehr wichtigen Titel! Ich bin Project Coordinator of Damien Fundation Belgum und Beauftragte fuer saemtliche Kidsclubs, die gerade ins Leben gerufen wurden... Da staunt ihr nicht schlecht was? Geht als Praktikantin runter und dann gleich sowas:)
Aber ich glaub ich muss jetzt schluss machen, denn meine Zeit ist gleich abgelaufen (natuerlich nur die vom Internet;) aber ich hoffe mich bald wieder melden zu koennen!
Haltet die Ohren steif, packt euch warm ein wenn ihr raus geht, nicht dass ihr euch noch erkaeltet (das gilt nicht fuer Carsten, der soll sich bloss vor Malaria, Cholera und so Sachen in Acht nehmen!)
Liebe 30 Grad sendet euch,
die Tanja
ja ich glaube es auch kaum, aber wir haben tatsaechlich ein Internetcafe gefunden, in dem man auch ins Internet kann und das eineigermassen funktioniert. Auch wenn man kraeftig in die Tasten hauen muss und alles etwas laenger dauert als ich das sonst gewohnt bin, aber da will ich mal nicht meckern. Hier lernt man echt mit Kleinigkeiten zufrieden zu sein:)
Ansonsten geht es mir sehr gut und es passiert taeglich so viel, dass die Woche umging wie nix. Ich bin umgezogen in das Haus meiner Chefin und wohne dort jetzt mit Peter , 58, Schreiner im Ruhestand, Alissa, 19, Abiturientin und Halbinderin, Muyiwa unserem Hausmann, der sehr lecker nach unseren Wuenschen kocht, Esther einer pubertierenden Fuenfzehnjaehrigen und Semilore einem 6jaehrigen Bub, der seine Eltern verloren hat und deshalb uebergangsweise auch hier untergebracht ist. Es ist einfach angenehmer sich am Abend noch mit Gleichgesinnten unterhalten zu koennen oder auch gemeinsam zu kochen. Mein Speiseplan ist um einiges Abwechslungsreicher geworden und Fisch und Gemuese wird jetzt extra wegen mir getrennt gekocht;)
Alissa und ich teilen uns ein Zimmer mit Doppelbett, zwei Schraenken und einem angrenzenden Badezimmer mit Dusche und WC (inklusive fliessend Wasser!!). Man kann das zwar nicht mit europaeischem Standart vergleichen, aber dehalb bin ich ja auch in Afrika... Da wir uns sehr gut verstehen geht das auch mit dem Zimmer teilen und wenn Peter mitte Dezember das Land verlaesst bekommt jeder von uns seine eigenen vier Waende, denn fuer die kompletten 6 Monate waere das etwas viel verlangt und wir wuerden uns bestimmt auf den Geist gehen. Es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung die Familie zu wechseln und eine Art Freiwilligen-WG zu gruenden.
Ja dann ein paar kleine Dinge zu meiner Arbeit hier, da weiss ich gar nicht mehr wo ich anfangen soll... Morgens zum Beispiel fahre ich zu verschiedenen "Kliniken" zwar ohne Aerzte aber mit Krankenschwestern ausgestattet, um dort Schwangere oder frisch gebackene Muetter auf HIV zu testen. Man muss sich einen offenen Raum vorstellen, in dem ein paar Holzbaenke stehen und sich die Frauen um einen scharen und getestet werden wollen. Denn die Behandlung ist kostenfrei und wird durch einen Wisch bestaetigt. Das heisst ich klaere sie erst mal auf, wie man sich denn den Virus einfangen kann und was man beruhigt auch mit Aidskranken tun kann ohne angesteckt zu werden. Dann piekse ich eine Patientin nach der anderen, fuehre den Test durch und fuelle Formulare zur Dokumentation aus. Manchmal gestaltet sich dies etwas schwierig, aber mit Haenden und Fuessen bekommt man das schon hin. Schwierig ist nur es den meist jungen Frauen mitzuteilen, wenn sie HIVpositiv sind. Aber sie werden auf jeden Fall weiter von uns betreut, mit Medikamenten versorgt und in Selbsthilfegruppen ueberwiesen um sich auszutauschen. Es ist hart so viele einzelne Schicksale mitzubekommen, die meist so kompliziert und schlimm sind, dass sie einen richtig mitnehmen. Zum Beispiel hat uns eine Frau um Hilfe gebeten, die ihren Mann verloren hat, selbst an Epilepsie leidet und drei kleine Kinder zu Hause hat, von dem eines ein grosses Geschwuer am Ohr hat das eigentlich operiert werden muesste. Doch wie immer fehlt das Geld dazu. Die Kinder muessen arbeiten, anstatt in die Schule zu gehen, da die Familie sonst hungern muss und das kann man nicht so einfach wegstecken. Als Hilfe koennen wir jetzt anbieten, das Kind mit in die naechste Stadt mit Krankenhaus zu nehmen um es dort untersuchen zu lassen und der Familie Mikrokredite gewaehren, damit die Kleinen zur Schule gehen koennen und nicht fuer den Lebensunterhalt sorgen muessen. Immerhin ein Lichtblick.
Meine Zwillinge sind leider immer noch im Busch, da sich der Schwager dagegen wehrt die Kinder untersuchen und richtig versorgen zu lassen. Keiner will die Kleinen, und wenn sie nicht behandelt werden, werden sie nicht aelter als hoechstens 2 Jahre. Aber wir werden naechste Woche nochmal nachhaken und hoffen, dass wir etwas bewirken koennen. Werd euch auf jeden Fall auf dem laufenden halten.
Aber jetzt genug mit den traurigen Geschichten, es gibt auch noch anderes zu erzaehlen...
Zum Beispiel Zwillinge heissen hier immer Tayiwo und Candy. Und wenn eine Familie 3 Zwillingspaerchen hat dann gibt es eben drei Tayiwos und drei Candys. Egal ob maennlich oder weiblich. Und Twins sind hier echt keine Seltenheit. Anscheinend wegen des Yams, der Art Kartoffel. Deshalb haetten die Frauen immer 2 Eier zum befruchten. Komische Geschichte, aber irgendwas muss ja dran sein, bei den vielen Zwillingspaerchen hier:)
Ich habe uebrigens jetzt einen sehr wichtigen Titel! Ich bin Project Coordinator of Damien Fundation Belgum und Beauftragte fuer saemtliche Kidsclubs, die gerade ins Leben gerufen wurden... Da staunt ihr nicht schlecht was? Geht als Praktikantin runter und dann gleich sowas:)
Aber ich glaub ich muss jetzt schluss machen, denn meine Zeit ist gleich abgelaufen (natuerlich nur die vom Internet;) aber ich hoffe mich bald wieder melden zu koennen!
Haltet die Ohren steif, packt euch warm ein wenn ihr raus geht, nicht dass ihr euch noch erkaeltet (das gilt nicht fuer Carsten, der soll sich bloss vor Malaria, Cholera und so Sachen in Acht nehmen!)
Liebe 30 Grad sendet euch,
die Tanja