Hallo ihr lieben vor-Kaelte-bibbernde Leserinnen und Leser,
also ich kann euch beruhigen: bin wieder top fit, mir geht es gut, ich lebe. Soweit das. Gilt vor allem fuer die, die meinen ich muesse schnell das Land verlassen, am besten in eine Tropenklinik fliegen und am Tropf haengen... Aber mal von vorne. Ich hatte das Pech in den letzten 3 wochen 2 mal Malaria zu bekommen. Nicht ganz so schoen, aber auch nicht so schlimm, wie wir uns das vorstellen. Hatte auch wahnsinnig Angst die uns so unbekannte Krankheit zu bekommen, aber wer mich kennt weiss, dass ich alles mitnehme, was ich nur griegen kann:) Was waere auch ein halbes Jahr Afrika ohne Malaria? Wenn schon denn schon, wer weiss wann ich das naechste mal her komme? Angefangen hat alles mit einem etwas schwummrigen Gefuehl im vordernen Kopfbereich. Man kann das beschreiben mit Fischen, die wie wild im Aquarium schwimmen. Ich sollte Schwangere Testen und bekam dann so den Zitterer dass ich den Finger beim Zustechen gar nicht mehr getroffen habe. Dachte mir dann evtl eine kleine Pause einzulegen. Also setzte ich mich vor eine Kirche, lies mich von den Nachbarn beaeugen und von den Ziegen bemeckern. als es nach einer Stunde nicht aufgehoert hat wurde ich dann wegen des Verdachts auf Malaria ins Krankenhaus gebracht. Natuerlich in das beste der Stadt. Wir haben genau 2 hier. Eines, das vom staat finanziert wird und absolut katastrophal ist und dort wirklich nur die Leute hin gehen, die ueberhaupt keinen Naira in der Tasche haben und schon fast am Sterben sind. Es gibt EINEN Arzt und nur wenige Krankenschwestern fuer eine Einwohnerzahl wie Mannheim. Und das andere kostet Geld. Erst bezahlen, dann die Ware. Egal ob Notfall oder nicht. Und das ist gar nicht so einfach sich dort zurecht zu finden. Erstmal war es stockduster, da NEPA, der einzige nigerianische Stromanbieter, mal wieder nicht funktionierte und wir im Dunkeln durch die Gebaeude irrten. Hier der Arzt, da das Labor und dort die Zahlstelle. Eigentlich koennte ich bei allem was ich schreibe immer den Satz hinzufuegen: ihr koennt es euch nicht vorstellen... Und so ist das auch mit dem Krankenhaus. Der Doc sitzt da in einem kleinen Raeumchen mit der Taschenlampe, versucht professionell zu wirken und braucht geschlagende 20 Minuten um den Puls und Blutdruck zu messen. Mit einem Zettelwirrwarr ging es dann in eine Art Labor, wo mir Blut abgenommen wurde. Die Nadel war immerhin neu und steril, der Rest sah eher aus wie eine Schreinerwerkstatt. Nun hiess es draussen im halbdunkeln eine stunde lang warten auf das Ergebnis. Also wenn ich bis dahin noch keine Malaria gehabt haette, aber spaetestens dann, so viel Moskitos wie hier umhergeflogen sind. Das Ergebnis war dann eben Malaria und ich musste damit zurueck zum Arzt, bekam 7 verschiedene Tabletten, die ich in Unmengen zu mir nehmen sollte. Dank meiner persoenlichen fachmaennischen Beratung aus der Ludwigstrasse, konnte ich diese dann auch beruhigt schlucken. Und die Drogen waren gut! Ich hab 4 Tage lang durchgeschlafen:) Und war dann aber auch wieder fit. Leider hielt der Zustand nicht lange an, denn kaum 2 Wochen spaeter fingen die Fische wieder an Wettschwimmen zu veranstalten und ich ahnte schon Boeses... Mittlerweile bin ich mit dem Klinikpersonal per du und sie meinten, dass sie mich doch bitte nicht mehr hier sehen wollen, denn es hat sich bestaetigt: Malaria again! Die Aerzte meinten nur, this is Nigeria for you! Aber auch die zweite Ladung Parasiten habe ich mittlerweile gut bekaempft und ich bin wieder ganz die alte:) Uebrigens Toiletten gibt es im Krankenhaus nicht wirklich. Am Besten mann muss gar nicht oder man begibt sich auf die suche nach einem ruhigen Oertchen. Als Weisse ist das aber leichter gesagt als getan. Dann wird halt kurzerhand ein kleiner Vorhang im Gang hochgehalten und du musst in eine Plastikschuessel pinkeln, die dann am Eingang wieder entsorgt wird. This is Nigeria for me:)
Ich wurde waehrend der Zeit sehr lieb umsorgt und gepflegt. Bekam Anrufe, Besuche und Geschenke, von meinen Kollegen, meiner Gastfamilie, den anderen Freiwilligen aus Ibadan und natuerlich auch aus Deutschland! Hier kann man sich echt auf alle verlassen, wenn es einem nicht so gut geht, auch wenn das sonst nicht so der Fall ist:) Zumindest was Ordnung und Puenktlichkeit angeht...
Ansonsten passiert hier eigentlich ziemlich viel und ich erlebe hier wirklich alles, was man nur so erleben kann. Es ist eine sehr interessante und spannende Zeit. Ich lerne viel, mein Englisch und Yoruba wird auch von Tag zu Tag besser, das Essen ist super (vor allem die vielen Fruechte), die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit und ich kann mich im Moment einfach nicht beklagen!
Da es so heiss ist hab ich jetzt was ganz verruecktes gemacht... Ich habe mir 2 Roecke und ein Kleid schneidern lassen... Mehr sage ich dazu nicht, ausser dass mich wohl keiner von euch jemals zuvor in sowas gesehen hat:) aber bevor ich hier eingeh, da wir im Schnitt 38 grad haben...
Aber ansonsten hat sich hier auch langsam der Alltag eingeschlichen und ich geh von frueh bis spaet zum Arbeiten, dann Essen, Haushalt und schon ist der Tag um. Auch wenn es sowas wie Alltag hier nicht wirklich gibt, denn man wird staendig ueberrascht. Erst gestern schickte man mich zu einer Awardverleihung an eine Schule. Ich dachte ja ich muesse nur das sitzen und mir das aus der Ferne angucken, aber dem war dann nicht so, denn die Rund 800 Gaeste erwarteten eine Rede. Gut wenn man darauf vorbereitet ist... nicht gut wenn einem das leider nicht gesagt wurde und du eben mal was aus dem Aermel schuetteln sollst, wie wichtig doch Bildung ist, blablabla...
auch wenn du zum Beispiel denkst du geht zum Testen von Schwangeren und Muettern und das wars, kann es ganz anders kommen. Ploetzlich kann ein Fotograf auftauchen und die Muetter werden zu rabiaten Kratzbuersten, die als erstes wollen, dass die Weisse mit ihrem Kind auf dem Arm ein Bild macht. Und dann reissen sie die Kleinen aus dem Arm und halten einem das neue eigene hin. Meine Aufgabe besteht dann darin, einfach nur zu laecheln:)
Mit laechelndem Grusse an alle verabschiede ich mich hier mit von euch, da meine begrenzte Internetzeit gleich abgelaufen ist. Ich wuensche euch ein schoenes Wochenende, trinkt einen Gluehwein fuer mich mit und geniesst die Plaetzchenzeit... Hab hier uebrigens auch schon ein bier getrunken und nachdem hats mir aber gereicht:)
Gruessle, Odabo,
die Tanja aus Ilesa
also ich kann euch beruhigen: bin wieder top fit, mir geht es gut, ich lebe. Soweit das. Gilt vor allem fuer die, die meinen ich muesse schnell das Land verlassen, am besten in eine Tropenklinik fliegen und am Tropf haengen... Aber mal von vorne. Ich hatte das Pech in den letzten 3 wochen 2 mal Malaria zu bekommen. Nicht ganz so schoen, aber auch nicht so schlimm, wie wir uns das vorstellen. Hatte auch wahnsinnig Angst die uns so unbekannte Krankheit zu bekommen, aber wer mich kennt weiss, dass ich alles mitnehme, was ich nur griegen kann:) Was waere auch ein halbes Jahr Afrika ohne Malaria? Wenn schon denn schon, wer weiss wann ich das naechste mal her komme? Angefangen hat alles mit einem etwas schwummrigen Gefuehl im vordernen Kopfbereich. Man kann das beschreiben mit Fischen, die wie wild im Aquarium schwimmen. Ich sollte Schwangere Testen und bekam dann so den Zitterer dass ich den Finger beim Zustechen gar nicht mehr getroffen habe. Dachte mir dann evtl eine kleine Pause einzulegen. Also setzte ich mich vor eine Kirche, lies mich von den Nachbarn beaeugen und von den Ziegen bemeckern. als es nach einer Stunde nicht aufgehoert hat wurde ich dann wegen des Verdachts auf Malaria ins Krankenhaus gebracht. Natuerlich in das beste der Stadt. Wir haben genau 2 hier. Eines, das vom staat finanziert wird und absolut katastrophal ist und dort wirklich nur die Leute hin gehen, die ueberhaupt keinen Naira in der Tasche haben und schon fast am Sterben sind. Es gibt EINEN Arzt und nur wenige Krankenschwestern fuer eine Einwohnerzahl wie Mannheim. Und das andere kostet Geld. Erst bezahlen, dann die Ware. Egal ob Notfall oder nicht. Und das ist gar nicht so einfach sich dort zurecht zu finden. Erstmal war es stockduster, da NEPA, der einzige nigerianische Stromanbieter, mal wieder nicht funktionierte und wir im Dunkeln durch die Gebaeude irrten. Hier der Arzt, da das Labor und dort die Zahlstelle. Eigentlich koennte ich bei allem was ich schreibe immer den Satz hinzufuegen: ihr koennt es euch nicht vorstellen... Und so ist das auch mit dem Krankenhaus. Der Doc sitzt da in einem kleinen Raeumchen mit der Taschenlampe, versucht professionell zu wirken und braucht geschlagende 20 Minuten um den Puls und Blutdruck zu messen. Mit einem Zettelwirrwarr ging es dann in eine Art Labor, wo mir Blut abgenommen wurde. Die Nadel war immerhin neu und steril, der Rest sah eher aus wie eine Schreinerwerkstatt. Nun hiess es draussen im halbdunkeln eine stunde lang warten auf das Ergebnis. Also wenn ich bis dahin noch keine Malaria gehabt haette, aber spaetestens dann, so viel Moskitos wie hier umhergeflogen sind. Das Ergebnis war dann eben Malaria und ich musste damit zurueck zum Arzt, bekam 7 verschiedene Tabletten, die ich in Unmengen zu mir nehmen sollte. Dank meiner persoenlichen fachmaennischen Beratung aus der Ludwigstrasse, konnte ich diese dann auch beruhigt schlucken. Und die Drogen waren gut! Ich hab 4 Tage lang durchgeschlafen:) Und war dann aber auch wieder fit. Leider hielt der Zustand nicht lange an, denn kaum 2 Wochen spaeter fingen die Fische wieder an Wettschwimmen zu veranstalten und ich ahnte schon Boeses... Mittlerweile bin ich mit dem Klinikpersonal per du und sie meinten, dass sie mich doch bitte nicht mehr hier sehen wollen, denn es hat sich bestaetigt: Malaria again! Die Aerzte meinten nur, this is Nigeria for you! Aber auch die zweite Ladung Parasiten habe ich mittlerweile gut bekaempft und ich bin wieder ganz die alte:) Uebrigens Toiletten gibt es im Krankenhaus nicht wirklich. Am Besten mann muss gar nicht oder man begibt sich auf die suche nach einem ruhigen Oertchen. Als Weisse ist das aber leichter gesagt als getan. Dann wird halt kurzerhand ein kleiner Vorhang im Gang hochgehalten und du musst in eine Plastikschuessel pinkeln, die dann am Eingang wieder entsorgt wird. This is Nigeria for me:)
Ich wurde waehrend der Zeit sehr lieb umsorgt und gepflegt. Bekam Anrufe, Besuche und Geschenke, von meinen Kollegen, meiner Gastfamilie, den anderen Freiwilligen aus Ibadan und natuerlich auch aus Deutschland! Hier kann man sich echt auf alle verlassen, wenn es einem nicht so gut geht, auch wenn das sonst nicht so der Fall ist:) Zumindest was Ordnung und Puenktlichkeit angeht...
Ansonsten passiert hier eigentlich ziemlich viel und ich erlebe hier wirklich alles, was man nur so erleben kann. Es ist eine sehr interessante und spannende Zeit. Ich lerne viel, mein Englisch und Yoruba wird auch von Tag zu Tag besser, das Essen ist super (vor allem die vielen Fruechte), die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit und ich kann mich im Moment einfach nicht beklagen!
Da es so heiss ist hab ich jetzt was ganz verruecktes gemacht... Ich habe mir 2 Roecke und ein Kleid schneidern lassen... Mehr sage ich dazu nicht, ausser dass mich wohl keiner von euch jemals zuvor in sowas gesehen hat:) aber bevor ich hier eingeh, da wir im Schnitt 38 grad haben...
Aber ansonsten hat sich hier auch langsam der Alltag eingeschlichen und ich geh von frueh bis spaet zum Arbeiten, dann Essen, Haushalt und schon ist der Tag um. Auch wenn es sowas wie Alltag hier nicht wirklich gibt, denn man wird staendig ueberrascht. Erst gestern schickte man mich zu einer Awardverleihung an eine Schule. Ich dachte ja ich muesse nur das sitzen und mir das aus der Ferne angucken, aber dem war dann nicht so, denn die Rund 800 Gaeste erwarteten eine Rede. Gut wenn man darauf vorbereitet ist... nicht gut wenn einem das leider nicht gesagt wurde und du eben mal was aus dem Aermel schuetteln sollst, wie wichtig doch Bildung ist, blablabla...
auch wenn du zum Beispiel denkst du geht zum Testen von Schwangeren und Muettern und das wars, kann es ganz anders kommen. Ploetzlich kann ein Fotograf auftauchen und die Muetter werden zu rabiaten Kratzbuersten, die als erstes wollen, dass die Weisse mit ihrem Kind auf dem Arm ein Bild macht. Und dann reissen sie die Kleinen aus dem Arm und halten einem das neue eigene hin. Meine Aufgabe besteht dann darin, einfach nur zu laecheln:)
Mit laechelndem Grusse an alle verabschiede ich mich hier mit von euch, da meine begrenzte Internetzeit gleich abgelaufen ist. Ich wuensche euch ein schoenes Wochenende, trinkt einen Gluehwein fuer mich mit und geniesst die Plaetzchenzeit... Hab hier uebrigens auch schon ein bier getrunken und nachdem hats mir aber gereicht:)
Gruessle, Odabo,
die Tanja aus Ilesa
Hm, also ich bibber zwar nicht vor Kälte als ich deinen Blog las, aber genossen habe ich es trotzdem. :) Schön, mal ausführlicher wie immer kurz am Telefon zu hören, wie es dir die letzten Tage/Wochen so erging. Halt die Öhrchen steif und ich hoffe, dass du dein Versprechen halten kannst und die Leute im Krankenhaus nicht mehr sehen musst. :)
AntwortenLöschenWarm-schwüle Regenzeitgrüße aus Sambia sendet dir
Dein Carsten
juhuu...
AntwortenLöschenKatrin
Na, da haben sich mal wieder einige Leutchen über deinen Blog gefreut. Mach weiter so, außer krank werden, bleibe gesund .
AntwortenLöschenLiebe Grüsse
Mama Papa Paulchen Lucky