Samstag, 17. Oktober 2009

Neues aus Ilesa

Liebe Leutchen,

ja ich glaube es auch kaum, aber wir haben tatsaechlich ein Internetcafe gefunden, in dem man auch ins Internet kann und das eineigermassen funktioniert. Auch wenn man kraeftig in die Tasten hauen muss und alles etwas laenger dauert als ich das sonst gewohnt bin, aber da will ich mal nicht meckern. Hier lernt man echt mit Kleinigkeiten zufrieden zu sein:)

Ansonsten geht es mir sehr gut und es passiert taeglich so viel, dass die Woche umging wie nix. Ich bin umgezogen in das Haus meiner Chefin und wohne dort jetzt mit Peter , 58, Schreiner im Ruhestand, Alissa, 19, Abiturientin und Halbinderin, Muyiwa unserem Hausmann, der sehr lecker nach unseren Wuenschen kocht, Esther einer pubertierenden Fuenfzehnjaehrigen und Semilore einem 6jaehrigen Bub, der seine Eltern verloren hat und deshalb uebergangsweise auch hier untergebracht ist. Es ist einfach angenehmer sich am Abend noch mit Gleichgesinnten unterhalten zu koennen oder auch gemeinsam zu kochen. Mein Speiseplan ist um einiges Abwechslungsreicher geworden und Fisch und Gemuese wird jetzt extra wegen mir getrennt gekocht;)
Alissa und ich teilen uns ein Zimmer mit Doppelbett, zwei Schraenken und einem angrenzenden Badezimmer mit Dusche und WC (inklusive fliessend Wasser!!). Man kann das zwar nicht mit europaeischem Standart vergleichen, aber dehalb bin ich ja auch in Afrika... Da wir uns sehr gut verstehen geht das auch mit dem Zimmer teilen und wenn Peter mitte Dezember das Land verlaesst bekommt jeder von uns seine eigenen vier Waende, denn fuer die kompletten 6 Monate waere das etwas viel verlangt und wir wuerden uns bestimmt auf den Geist gehen. Es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung die Familie zu wechseln und eine Art Freiwilligen-WG zu gruenden.

Ja dann ein paar kleine Dinge zu meiner Arbeit hier, da weiss ich gar nicht mehr wo ich anfangen soll... Morgens zum Beispiel fahre ich zu verschiedenen "Kliniken" zwar ohne Aerzte aber mit Krankenschwestern ausgestattet, um dort Schwangere oder frisch gebackene Muetter auf HIV zu testen. Man muss sich einen offenen Raum vorstellen, in dem ein paar Holzbaenke stehen und sich die Frauen um einen scharen und getestet werden wollen. Denn die Behandlung ist kostenfrei und wird durch einen Wisch bestaetigt. Das heisst ich klaere sie erst mal auf, wie man sich denn den Virus einfangen kann und was man beruhigt auch mit Aidskranken tun kann ohne angesteckt zu werden. Dann piekse ich eine Patientin nach der anderen, fuehre den Test durch und fuelle Formulare zur Dokumentation aus. Manchmal gestaltet sich dies etwas schwierig, aber mit Haenden und Fuessen bekommt man das schon hin. Schwierig ist nur es den meist jungen Frauen mitzuteilen, wenn sie HIVpositiv sind. Aber sie werden auf jeden Fall weiter von uns betreut, mit Medikamenten versorgt und in Selbsthilfegruppen ueberwiesen um sich auszutauschen. Es ist hart so viele einzelne Schicksale mitzubekommen, die meist so kompliziert und schlimm sind, dass sie einen richtig mitnehmen. Zum Beispiel hat uns eine Frau um Hilfe gebeten, die ihren Mann verloren hat, selbst an Epilepsie leidet und drei kleine Kinder zu Hause hat, von dem eines ein grosses Geschwuer am Ohr hat das eigentlich operiert werden muesste. Doch wie immer fehlt das Geld dazu. Die Kinder muessen arbeiten, anstatt in die Schule zu gehen, da die Familie sonst hungern muss und das kann man nicht so einfach wegstecken. Als Hilfe koennen wir jetzt anbieten, das Kind mit in die naechste Stadt mit Krankenhaus zu nehmen um es dort untersuchen zu lassen und der Familie Mikrokredite gewaehren, damit die Kleinen zur Schule gehen koennen und nicht fuer den Lebensunterhalt sorgen muessen. Immerhin ein Lichtblick.

Meine Zwillinge sind leider immer noch im Busch, da sich der Schwager dagegen wehrt die Kinder untersuchen und richtig versorgen zu lassen. Keiner will die Kleinen, und wenn sie nicht behandelt werden, werden sie nicht aelter als hoechstens 2 Jahre. Aber wir werden naechste Woche nochmal nachhaken und hoffen, dass wir etwas bewirken koennen. Werd euch auf jeden Fall auf dem laufenden halten.

Aber jetzt genug mit den traurigen Geschichten, es gibt auch noch anderes zu erzaehlen...
Zum Beispiel Zwillinge heissen hier immer Tayiwo und Candy. Und wenn eine Familie 3 Zwillingspaerchen hat dann gibt es eben drei Tayiwos und drei Candys. Egal ob maennlich oder weiblich. Und Twins sind hier echt keine Seltenheit. Anscheinend wegen des Yams, der Art Kartoffel. Deshalb haetten die Frauen immer 2 Eier zum befruchten. Komische Geschichte, aber irgendwas muss ja dran sein, bei den vielen Zwillingspaerchen hier:)

Ich habe uebrigens jetzt einen sehr wichtigen Titel! Ich bin Project Coordinator of Damien Fundation Belgum und Beauftragte fuer saemtliche Kidsclubs, die gerade ins Leben gerufen wurden... Da staunt ihr nicht schlecht was? Geht als Praktikantin runter und dann gleich sowas:)
Aber ich glaub ich muss jetzt schluss machen, denn meine Zeit ist gleich abgelaufen (natuerlich nur die vom Internet;) aber ich hoffe mich bald wieder melden zu koennen!

Haltet die Ohren steif, packt euch warm ein wenn ihr raus geht, nicht dass ihr euch noch erkaeltet (das gilt nicht fuer Carsten, der soll sich bloss vor Malaria, Cholera und so Sachen in Acht nehmen!)

Liebe 30 Grad sendet euch,
die Tanja

Samstag, 10. Oktober 2009

Liebe Mama, Lieber Papa ihr werdet Grosseltern:)

Hallo ihr Lieben, Ekasaan,

ja ihr habt richtig gelesen, ich werde ab naechter Woche Mami von einem einmonatigen Zwillingspaerchen! Die leibliche Mutter ist leider verstorben und keiner kann sich um die zwei Kleinen kuemmern. Sie brauchen auch besondere Pflege und Aufmerksamkeit, da sie wahrscheinlich HIV positiv sind. Deshalb werde ich sie naechste Woche aus ihrem Buschdorf abholen und erst mal nach Ibadan fahren, um sie dort testen zu lassen. Denn hier bei uns gibt es leider nicht die Moeglichkeit dazu. Danach werden mir die Dinger auf den Ruecken geschnallt und ich gehe wie gehabt arbeiten. Normalerweise hat man ja etwa 9 Monate Zeit sich auf so eine Situation vorzubereiten, aber hier kann sowas sehr schnell gehen und innerhalb von zwei Tagen hast du Zwillinge, fuer die du sorgen sollst. Ich sag mal so, man waechst an seinen Aufgaben und das werde ich wohl muessen, denn ich habe ueberhaupt keine Ahnung vom Wickeln, Fuettern oder sonst was. Naja da bin ich ja mal gespannt was alles auf mich zukommt und ob ich es schaffe die Kids gross zu ziehen und gleichzeitig Vollzeit zu arbeiten... Werd euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten, falls ich jemals wieder eine freie Minute finde. Und Mama ich werde dich wohl oefter anrufen und um Rat bitten muessen...

Ansonsten lebe ich mich gerade richtig gut ein, selbst wenn das Essen immer noch nicht besser geworden ist und die Sehnsucht nach deutschen Leckereichen waechst...
Auch wenn schon zwei der Freiwilligen das Handtuch geworfen haben, ich werde es eisern durchziehen:) So schlimm ist es wirklich nicht, die Leute sind alle super nett und man kann sich an alles gewoehnen. Naja an fast alles. Das chaotische hier ist fuer alle Nicht-Afrika-Kenner einfach unvorstellbar. Aber auf der anderen Seite ist es einfach liebenswert...

Jetzt bin ich schon fast eine Yoruba, zumindest sehe ich heute so aus. Fuer eine Hochzeit wurden mir traditionelle Kleider geschneidert, aus buntem afrikanischen Stoff. Dazu musste ich ein riesiges Tuch auf dem Kopf tragen, das in alle Richtungen abstand und ihr sicherlich von Bildern kennt. Das anstrengendste war dann die kirchliche Trauung... fast vier Stunden beten, singen, beten, singen. Aber ich habe es ueberstanden, Amen.

Ich hoffe es geht euch gut soweit und ihr geniesst den morgendlichen Kaffee, die bequemen Betten, das kuehle Wetter (ich komm hier einfach nicht aus dem Schwitzen raus...), die frische Luft (Danke fuer die Filter in den Autos), und und und (da wuesste ich jetzt nicht wo aufhoeren:)
Danke auch fuer eure Mails, die ich zwar lesen, aber aus zeitgruenden leider nicht beantworten kann. Aber es ist immer schoen von euch zu hoeren!!

Ganz liebe Gruesse aus Ilesa,
die Tanja

PS: kann immer noch keine Bilder hochladen...


Samstag, 3. Oktober 2009

Die ersten Wochen in Nigeria...

Hallo ihr Lieben,
hier also der erste Eintrag aus dem fernen Afrika. Nachdem ich jetzt eine dreiviertel Stunde gebraucht habe die Seite zu oeffnen und ich in einer Garage mit ein paar alten PCs sitze kann es jetzt los gehen mit den ersten Eindruecken aus meiner neuen Heimat:)
Es ist sehr schwierig das ganze ueberhaupt in Worte zu fassen, was ich bisher gesehen, erlebt und erfahren habe, aber ich versuche euch einfach alles so gut wie moeglich zu beschreiben.

Das Klima ist tropisch und wechselt zwischen 2 Jahreszeiten, der Regen- und der Trockenzeit. Im Moment ist der Uebergang zur Trockenzeit mit Temperaturen um die 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von ueber 90 Prozent. Wie gerne haette ich jetyt eine Prise der Schwaebischen-Alb-Luft um mich, denn hier kommt man selbst beim Nichtstun schon ins Schwitzen.

Angekommen bin ich in Lagos, einer Millionenmetropole ganz im Sueden des Landes gelegen. Von dort aus bin ich mit 5 weiteren Freiwilligen aus Deutschland mit einem Kleinbus etwa 130km ueber die "Autobahn" nach Ibadan gefahren. Die Autos und Busse hier stammen einst aus Deutschland bzw. Europa oder den USA, sind absolut nicht mehr beim TUEV zugelassen und mindestens 30 Jahre alt. Weder Tacho, noch Tueren funktionieren. Das Einzige was hier ein Fahrzeug noch koennen muss ist Gas geben, bremsen und eine funktionierende Hupe besitzen.
Die Strassen sind auch nicht wuerdig die Namen "Autobahn" oder "Hauptstrasse" zu tragen. Denn diese bestehen aus Schlagloechern wie der Schweizer Kaese. Vorsichtig muss man diese Hindernisse umfahren, da es sonst sein kann, dass man nicht mehr aus den riesigen Vertiefungen herauskommt. Als Warndreieck bei Unfaellen oder Pannen liegen kleine Buesche und Zweige vor und hinter den Fahrzeugen. Alle paar Kilometer sind wir dann von Soldaten mit grossen Gewehren angehalten und wieder weitergewunken worden. Es wurde mir erzaehlt, dass sie fuer die Sicherheit auf der Strasse stehen. In Wahrheit wollen diese Banditen nur Geld fuer die eigene Tasche. Aber zu uns sind sie immer sehr freundlich und das ist ja das wichtigste.
In Ibadan bekamen wir dann eine kleine Einfuehrung in die Kultur und Sprache, bevor es fuer mich weiter in den 100km entfernten Ort Ilesa ging. Mitten in der Pampa sollte also mein neues zu Hause sein. Meine Bleibe befindet sichein gutes Stueck von der geteerten Strasse entfernt, die durch einen 20minuetigen Fussmarsch ueber einen Lehm- und Steinweg zu erreichen ist. Mit mir leben hier Mrs Ajanaku (meine Gastmutter), die ueber 100jaehrige Grandma, mein Gastbruter Phola und unser Hausmaedchen Odrew. Gesprochen wird meist Yoruba, so dass es fuer mich sehr schwer ist etwas zu verstehen. Aber meine Sprachkenntnisse erweitern sich hier rasch.
In meinem Zimmer steht ein Bett, ein kleiner Spiegel und ein Plastikgartenstuhl, den ich zum Kleiderschrank umfunktioniert habe. Im angrenzenden Badezimmer stehen Eimer, die mit Wasser befuellt werden muessen, um zum Beispiel die Toilettenspuelung zu bedienen. Ich habe dort weder ein Waschbecken, noch Tageslicht, geschweigedenn Strom. Das heisst ich wasche mich im Dunkeln, genauso wie meine Waesche. Morgens um 6.00 Uhr heisst es dann Eimer fuellen, Waschmittel dazugeben und dann kraeftig schrubben und wringen bis die Sachen nach drei Waschgaengen dann einigermassen sauber und zum Aufhaengen bereit sind.

Wenn ich durch die Strassen gehe (ich bezeichne diese jetzt einfach mal so), dann fuele ich mich schon fast wie die Queen, denn aus allen Ecken und Enden schallt mir ein Oynbo entgegen, was soviel heisst wie Weisse. Dann kommt mein Part: Laechlen und Winken. Und das kann wahnsinnig anstrengend sein! Da ich die einzige Weisse in der ganzen Umgebung bin, falle ich natuerlich auch extrem auf und jeder will mir zeigen, dass er mich gesehen hat. Mal sehen wer sich an was schneller gewoehnt, ich mich an die Rufe oder die an mich:)

Das Essen hier ist ziemlich einseitig und ich wuerde jetzt einfach mal behaupten die Nigerianer haben das Kochen nicht gerade erfunden.... Meist gibt es Yam, das ist wie bei uns die Kartoffel, das wird dann zu einem dicken Brei puerriert und mit den Fingern zu Munde gefuehrt. Gemuese gibt es hier nicht wirklich, richtiges Brot auch nicht und Milchprodukte schon ueberhaupt nicht. Mir fehlt Salat. Mir fehlt Kaese. Und ueberhaupt freue ich mich schon wieder sehr auf die deutsche Kueche! (Wink mit Zaunpfahl an Omi: werd dir auf jeden Fall eine Wunschliste zukommen lassen, bevor ich wieder zurueck komme;)

Ja und geschlachtet wird hier natuerlich auch. Eines Abends lag am Wegesrand einfach eine brennende Kuh, deren Hals aufgeschnitten war und die einfach gebrannt hat. Anscheinend zum raeuchern. Anschliessend wurde ihr die Haut abgeschabt und sie dann in kleine Stuecke zerteilt. Fuer einen Vegetarier nicht gerade ein Grund wieder Fleisch zu essen....

Ja es ist einfach ein komplett anderes Leben hier. Einfach, unorganisiert und imrpvisiert ist mein Eindruck, aber irgendwie funktioniert doch alles.

Es gibt so viel zu erzaehlen, dass ich einfach nicht weiss wo ich anfangen und wo ich aufhoeren soll. Ich schreibe aber jeden Tag um die 5 Seiten Tagebuch, so dass jeder der naeher daran interessiert ist, dies gerne nach meiner Rueckkehr lesen kann.

Beim naechsten Mal werde ich euch dann von meiner Arbeit bei Living Hope Care berichten.

Ich hoffe euch geht es allen gut!! Lasst was von euch hoeren und denkt ab und zu an mich, wenn ich abends ab 7 im Dunkeln sitze und ihr einfach das Licht einschaltet...:)
O dabo, bis denn, ganz liebe Gruesse aus dem verrueckten Afrika!!
die Tanja

PS: Ich kann leider kein Foto anhaengen, da diese PCs ueberhaupt kein Eingang fuer irgendwas haben. Da muesst ihr euch leider noch etwas gedulden...

Samstag, 29. August 2009

Artikel der Schwäbischen Zeitung vom 29.08.2009

Tanja Schweizer will bei der Aufklärung helfen

Die diplomierte Sozialpädagogin Tanja Schweizer wird am 14.September ihrer Heimat für sechs Monate den Rücken kehren, um in Nigeria ein einheimisches Aidshilfeprojekt zu unterstützen. Damit verwirklicht sich die 23-Jährige einen Lebenstraum.

(HOHENSTADT/sz) Tanja Schweizer macht es ihrem Lebensgefährten Carsten Schulz nach, der bereits drei Wochen vorher nach Sambia aufgebrochen war um dort ein ganzes Jahr zu verbringen. Nach dem Fachabitur in Geislingen und dem Studium der Sozialpädagogik in Stuttgart verwirklicht die seit Ende August diplomierte "Bachelor of Arts in Social Work" ihren absoluten Lebenstraum. "Ich möchte sehen, wie soziale Arbeit in einer anderen Kultur funktioniert", erklärt Schweizer ihre Beweggründe.

Und sie schlägt ganz sicher nicht den leichten Weg ein, denn sie wird bei einer einheimischen Organisation "Living - Hope - Care" mitarbeiten und ganz bescheiden in einer Gastfamilie in einem kleinen Dorf in der Nähe von Ibadan leben.

"Mit dem Schwerpunkt Aids habe ich überhaupt keine Erfahrung, aber es interessiert mich, wie man in einer anderen Kultur arbeitet, welche Methoden dort angewendet werden." Schweizer hat bereits Einsätze als Schulsozialarbeiterin im Brennpunkt Fasanenhof an der dortigen Hauptschule hinter sich und arbeitete während des Studiums in Degerloch als Streetworker in der mobilen Jugendarbeit.

Bewusst hat sich die junge Frau für eine einheimische Organisation entschieden, denn sie will den Alltag in Nigeria real erleben und nicht nur Bücherwissen mitnehmen. In ihrer Gastfamilie wird sie neben ihrer Gastmutter Stella zwei Geschwister vorfinden, die 27-jährige Kehinde und den 22-jährigen Damola. "Mehr weiß ich allerdings noch nicht, denn in Nigeria ist die Post relativ chaotisch", sagt Tanja Schweizer und schmunzelt. "Von tausend Haushalten verfügen immerhin 66 über einen Fernseher, allerdings nur 3,8 über ein Telefon und lediglich 0,01 über Internetzugänge. So gestaltet sich die Kontaktaufnahme relativ schwierig."

40 Prozent der Bevölkerung in Ilesa haben zwar Strom, aber Wasser muss entweder als Regenwasser gesammelt oder vom Brunnen geholt werden. Was allerdings jeder besitzt, ist ein Mobiltelefon, so dass die Kontaktaufnahme mit den Eltern und Schwestern in Deutschland kein Problem darstellen sollte.

Über das Modell "weltwärts" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit wurde vor knapp zwei Jahren das Austauschprogramm ins Leben gerufen. Schweizer wird zur zweiten Generation der sozialen Helfer gehören, die nach Nigeria fliegen. "Ich bin zwar aufgeregt und gespannt, aber Angst habe ich keine", strahlt die Sozialpädagogin, der man die Freude über die baldige Abreise deutlich ansehen kann. Die Dachorganisation "experiment e.V." wir die Helferin auch in Afrika betreuen. Sie stellten für Schweizer den Kontakt zu "Living - Hope - Care" her und betreuen sie schon im Vorfeld. "Es ist ein ganz tolles Gefühl zu wissen, dass die bei "experiment" mich ganz genau kennen, dann fühle ich mich gut aufgehoben."

Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas will Schweizer bei der Aufklärung, der gesundheitlichen Betreuung, der Aidsprävention und der Familienbetreuung der von Aids Betroffenen helfen. Wie das genau vor sich gehen soll, kann sie sich bisher jedoch nicht konkret vorstellen. Auch wenn die offizielle Landessprache Englisch ist, werden in Nigeria 250 Sprachen gesprochen, in Ilesa das "Yoruba". Eine Sprache, die Schweizer in ihrer Gastfamilie zu lernen hofft.
"Ich wollte unbedingt nach Afrika", erklärt sie. "Bei den meisten Organisationen muss man seinen Aufenthalt selber zahlen. Das kann ich mir aber direkt nach dem Studium nicht leisten."
Nach intensiver Suche und Recherche stieß die erfinderische Hohenstadterin dann auf "weltwärts" und bewarb sich bei der Organisation "experiment".

Nach einem aufwändigen Auswahlverfahren und einem fünftägigen Vorbereitungsseminar in Bonn wird die Sozialpädagogin gemeinsam mit vier weiteren Bewerbern am 14. September von Stuttgart über Paris aus nach Lagos fliegen.

Gerne würde Tanja Schweizer für ihr Dorf Fußbälle, Stifte, Gesellschaftsspiel und Ähnliches mitnehmen. Wer ihr Spenden zur Verfügung stellen mag, sollte sich unter schweizer_tanja@web.de melden.

Dienstag, 11. August 2009

Infos über Nigeria


Ich werde ab dem 14. September für sechs Monate nach Ilesa (das liegt etwa 100 km nordöstlich von Ibadan), Nigeria fliegen, um dort bei „Living, Hope, Care“, einer einheimischen Organisation, die AIDSkranke in der Umgebung unterstützt, zu arbeiten. Da ich immer gefragt werde "na wo gehts denn jetzt genau hin?" und " was machst denn da?" und so weiter werde ich euch hier ein paar kurze Infos zu meinen Aufgaben dort und über Nigeria selbst geben. Weitere Details werden dann wohl direkt aus Afrika kommen, wenn ich mir selbst ein Bild von allem gemacht habe:)

Also Projekte bei denen ich mithelfen werde, sind unter anderem:
Die Pflege und Versorgung der bereits infizierten Menschen, bei der Gemeindefürsorge für Waisenkinder und gefährdete Kinder, deren Eltern diese tödliche Krankheit nicht überlebt haben und ebenso die Bildung- und Präventionsarbeit, vor allem auch bei jungen Mädchen und Frauen.


länderinfo nigeria

Ländername: Bundesrepublik Nigeria, Federal Republic of Nigeria

Größe: 923.768 qkm

Hauptstadt: seit 1991 Abuja, Einwohner ca. 1,5 Mio (alte Hauptstadt war Lagos mit über 12 Mio. Einwohnern)

Bevölkerung: 140 Mio. Einwohner (Zählung 2006) ca. 400 Volksgruppen

Lebensdauer: 51,3 bei Männern und 51,7 bei Frauen

Landessprachen: Amtssprache: Englisch. Wichtige Regionalsprachen: im Südwesten Yoruba, im Norden Hausa, im Südosten Igbo

Religionen: Muslime, Christen, Anhänger von Naturreligionen

Unabhängigkeit: 01.10.1960

Wirtschaft: Die wirtschaftliche Lage Nigerias hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas, verfügt über sehr große Öl- und Gasvorkommen. Weiterhin gelten allerdings folgende Herausforderungen:
Die weitgehende Abhängigkeit von Öleinnahmen (über 90 Prozent der Exporterlöse; 80 Prozent der staatlichen Einnahmen und rund ein Drittel des BIP) besteht fort. Etwa 35 Prozent der Bevölkerung lebt weiterhin in extremer Armut (weniger als 1 USD/Tag) Die Unruhen im Nigerdelta führten zu eingeschränkten Öl- und Gasförderquoten und zu einer erheblichen Reduktion des Wirtschaftswachstums. Sie sind auch Grund für eine Verschlechterung der ohnehin schlechten inländischen Energieversorgung. Die Infrastruktur ist weiterhin mangelhaft und wird als Haupthinderungsgrund für die wirtschaftliche Entwicklung von den Wirtschaftstreibenden genannt.

Telekommunikation: Auf 1.000 Einwohner kommen 66 Fernseher, 3,8 Telefone, 6,1 Rechner und 0,01 Internet-Zugänge.

Stromversorgung: nur 40% der Haushalte haben Zugang zu elektrischer Energie; diese sind vor allem in den städtischen Räumen. Stromausfälle gehören zur Tagesordnung.

Wasserversorgung: Ein öffentliches Wasserleitungsnetz wie es in Industrieländern üblich ist, gibt es in Nigeria meist nicht. Stattdessen sammeln viele Haushalte ihr Trink- und Nutzwasser in Wassertanks (Regenwasser oder Auffüllen durch ein Wassertankfahrzeug). Ärmere Menschen entnahmen das Wasser einer zentralen Entnahmestelle und tragen es in Eimern nach Hause.


Aids/ HIV

der Begriff AIDS ist die Abkürzung für »Acquired Immune Deficiency Syndrome«, also für eine Abwehrschwäche des Körpers. Diese Abwehrschwäche wird durch das Immunschwächevirus HIV (»Human Immunodeficiency Virus« verursacht.
Übertragung: das HI-Virus kann übertragen werden, wenn Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit oder Muttermilch mit offenen Hautverletzungen oder Schleimhäuten in Kontakt kommt. Die Zahl der HIV-infizierten in Nigeria ist deutlich gestiegen. 2,9 Millionen Nigerianer sind infiziert, davon 1,6 Millionen Frauen. 2003 starben 310.000 Menschen in Nigeria an Aids, 300.000 haben sich 2006 neu infiziert. Ein besonderes Problem ist auch die hohe Zahl an Waisen. In Afrika gab es 2003 12,3 Millionen Kinder, die ihre Eltern durch Aids verloren haben. Nur ein Prozent der Erkrankten können ihre Behandlung aus der eigenen Tasche zahlen, und die restlichen 99 Prozent sind auf Spenden aus der westlichen Welt angewiesen, da es kein funktionierendes Gesundheitssystem, wie in Deutschland, gibt.
So jetzt seid ihr alle bestens informiert und ich kann mich schonmal ans Packen machen:) denn so lange ist es ja auch nicht mehr hin... Liebe Grüße, Tanja