Samstag, 29. August 2009

Artikel der Schwäbischen Zeitung vom 29.08.2009

Tanja Schweizer will bei der Aufklärung helfen

Die diplomierte Sozialpädagogin Tanja Schweizer wird am 14.September ihrer Heimat für sechs Monate den Rücken kehren, um in Nigeria ein einheimisches Aidshilfeprojekt zu unterstützen. Damit verwirklicht sich die 23-Jährige einen Lebenstraum.

(HOHENSTADT/sz) Tanja Schweizer macht es ihrem Lebensgefährten Carsten Schulz nach, der bereits drei Wochen vorher nach Sambia aufgebrochen war um dort ein ganzes Jahr zu verbringen. Nach dem Fachabitur in Geislingen und dem Studium der Sozialpädagogik in Stuttgart verwirklicht die seit Ende August diplomierte "Bachelor of Arts in Social Work" ihren absoluten Lebenstraum. "Ich möchte sehen, wie soziale Arbeit in einer anderen Kultur funktioniert", erklärt Schweizer ihre Beweggründe.

Und sie schlägt ganz sicher nicht den leichten Weg ein, denn sie wird bei einer einheimischen Organisation "Living - Hope - Care" mitarbeiten und ganz bescheiden in einer Gastfamilie in einem kleinen Dorf in der Nähe von Ibadan leben.

"Mit dem Schwerpunkt Aids habe ich überhaupt keine Erfahrung, aber es interessiert mich, wie man in einer anderen Kultur arbeitet, welche Methoden dort angewendet werden." Schweizer hat bereits Einsätze als Schulsozialarbeiterin im Brennpunkt Fasanenhof an der dortigen Hauptschule hinter sich und arbeitete während des Studiums in Degerloch als Streetworker in der mobilen Jugendarbeit.

Bewusst hat sich die junge Frau für eine einheimische Organisation entschieden, denn sie will den Alltag in Nigeria real erleben und nicht nur Bücherwissen mitnehmen. In ihrer Gastfamilie wird sie neben ihrer Gastmutter Stella zwei Geschwister vorfinden, die 27-jährige Kehinde und den 22-jährigen Damola. "Mehr weiß ich allerdings noch nicht, denn in Nigeria ist die Post relativ chaotisch", sagt Tanja Schweizer und schmunzelt. "Von tausend Haushalten verfügen immerhin 66 über einen Fernseher, allerdings nur 3,8 über ein Telefon und lediglich 0,01 über Internetzugänge. So gestaltet sich die Kontaktaufnahme relativ schwierig."

40 Prozent der Bevölkerung in Ilesa haben zwar Strom, aber Wasser muss entweder als Regenwasser gesammelt oder vom Brunnen geholt werden. Was allerdings jeder besitzt, ist ein Mobiltelefon, so dass die Kontaktaufnahme mit den Eltern und Schwestern in Deutschland kein Problem darstellen sollte.

Über das Modell "weltwärts" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit wurde vor knapp zwei Jahren das Austauschprogramm ins Leben gerufen. Schweizer wird zur zweiten Generation der sozialen Helfer gehören, die nach Nigeria fliegen. "Ich bin zwar aufgeregt und gespannt, aber Angst habe ich keine", strahlt die Sozialpädagogin, der man die Freude über die baldige Abreise deutlich ansehen kann. Die Dachorganisation "experiment e.V." wir die Helferin auch in Afrika betreuen. Sie stellten für Schweizer den Kontakt zu "Living - Hope - Care" her und betreuen sie schon im Vorfeld. "Es ist ein ganz tolles Gefühl zu wissen, dass die bei "experiment" mich ganz genau kennen, dann fühle ich mich gut aufgehoben."

Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas will Schweizer bei der Aufklärung, der gesundheitlichen Betreuung, der Aidsprävention und der Familienbetreuung der von Aids Betroffenen helfen. Wie das genau vor sich gehen soll, kann sie sich bisher jedoch nicht konkret vorstellen. Auch wenn die offizielle Landessprache Englisch ist, werden in Nigeria 250 Sprachen gesprochen, in Ilesa das "Yoruba". Eine Sprache, die Schweizer in ihrer Gastfamilie zu lernen hofft.
"Ich wollte unbedingt nach Afrika", erklärt sie. "Bei den meisten Organisationen muss man seinen Aufenthalt selber zahlen. Das kann ich mir aber direkt nach dem Studium nicht leisten."
Nach intensiver Suche und Recherche stieß die erfinderische Hohenstadterin dann auf "weltwärts" und bewarb sich bei der Organisation "experiment".

Nach einem aufwändigen Auswahlverfahren und einem fünftägigen Vorbereitungsseminar in Bonn wird die Sozialpädagogin gemeinsam mit vier weiteren Bewerbern am 14. September von Stuttgart über Paris aus nach Lagos fliegen.

Gerne würde Tanja Schweizer für ihr Dorf Fußbälle, Stifte, Gesellschaftsspiel und Ähnliches mitnehmen. Wer ihr Spenden zur Verfügung stellen mag, sollte sich unter schweizer_tanja@web.de melden.

3 Kommentare:

  1. Hallo Tanja, hab gerade deine Seite aufgerufen und finde, sie ist sehr gut geworden. Viel Spaß noch bei den Vorbereitungen. Moni

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  2. Ich werde ganz feste an Dich denken und drücke Dir die Daumen, dass es so wird, wie Du es Dir wünschst! Liebe Grüße Mel

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  3. Hoffentlich bist Du gut angekommen! Liebe Grüße, Mel.

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